Während Raketen über den Himmel des Nahen Ostens fliegen, füttern Hunderte von Milliarden aus Schweizer Reserven weiterhin das amerikanische Finanzherz. Technische Koinzidenz ... oder strategischer Widerspruch? Wenn die Neutralität der Grundpfeiler unseres Wohlstands ist, dann drängt sich eine Frage auf: Ist unsere nationale Bilanz noch mit unseren Prinzipien in Einklang zu bringen?
Am Wochenende erreichte die militärische Eskalation zwischen Washington und Tel Aviv gegen den Iran eine neue Schwelle.
Golf unter Strom.
Straße von Hormus bedroht.
Opec+ gezwungen, ihre Produktion anzupassen (+206’000 Barrel/Tag für April angekündigt).
Das geopolitische Risiko ist nicht mehr marginal.
Er wird strukturell.
Und währenddessen ist die Schweiz weiterhin massiv dem Finanzherz der größten Militärmacht der Welt ausgesetzt.
Die zahlenmäßige Realität
Bis zum 31. Dezember 2025 :
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Fremdwährungsreserven: ~750 Mrd. CHF
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Anteil in USD: ~37 %
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Engagement in US-Vermögenswerten: >360 Mrd. CHF
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Etwa 25 % in Aktien investiert (passive Indexreplikation)
Konkret :
⮕ Treasuries finanzieren das Defizit des US-Schatzamtes
⮕ Aktien stützen US-Großkapitalisten
⮕ Unsere Stabilität hängt weitgehend von einem einzigen geopolitischen Block ab.
Das ist nicht neutral.
Es handelt sich um eine strategische Konzentration.
Glaubwürdige Neutralität oder theoretische Neutralität?
Wie schrieb Ferdinand Lips, ehemaliger Banker und Autor von Gold Wars :
«Wer die Währung kontrolliert, kontrolliert die Nationen».»
Der Dollar ist jedoch zu einem Machtinstrument geworden.
Extraterritoriale Sanktionen.
Einfrieren von Vermögenswerten.
Finanzieller Druck.
Die massive Abhängigkeit von einem solchen System schafft eine strukturelle Verwundbarkeit.
Lips erinnerte auch :
«Gold ist die Währung der Könige, Silber die Währung der Gentlemen, aber Schulden sind die Währung der Sklaven.»
Eine neutrale Zentralbank kann diese historische Realität nicht ignorieren.
Die Risiken sind klar
1. Geopolitisches Risiko
Länger anhaltende Eskalation = Schock auf den US-Märkten = direkte Auswirkungen auf unsere Reserven.
2. Risiko des Währungszwangs
Zugang zum Dollarsystem von souveränen Entscheidungen der USA abhängig.
3. Systemisches Risiko
Übermäßige Konzentration = übermäßige Gebrechlichkeit.
4. Risiko der Kohärenz
Man kann nicht Neutralität proklamieren und gleichzeitig finanziell an einen einzigen Machtpol angedockt sein.
Wie erinnerte J.P. Morgan vor dem US-Kongress im Jahr 1912 :
«Gold ist die Währung. Alles andere ist Kredit.»
Was die souveräne Vorsicht gebietet
Es geht nicht um Ideologie.
Es geht um strategische Architektur.
1. Massive Goldkäufe durch die SNB
Gold ist niemandes Schuld.
Er ist weder sanktionierbar noch druckbar.
In einer fragmentierten Welt wird er wieder zum neutralen Vermögenswert par excellence.
Die SNB muss :
- Ihre Goldreserven deutlich erhöhen
- Das Gewicht des Dollars allmählich wieder ins Gleichgewicht bringen
- Das Edelmetall als Stabilitätsanker heiligen
Eine glaubwürdige Neutralität beruht auf einem nicht ausgerichteten Aktivposten.
2. Einrichtung eines helvetischen Staatsfonds
Die Schweiz verfügt noch immer nicht über einen echten strategischen Staatsfonds.
Die Bundesparlamentarier müssen diese Baustelle eröffnen.
Ziele :
- Einen Teil der strukturellen Überschüsse isolieren
- In strategisch diversifizierte Vermögenswerte investieren
- Systemische Abhängigkeit reduzieren
- Eine langfristige Vermögensvision vermitteln
Norwegen, Singapur oder die Emirate haben ihre Finanzhoheit strukturiert.
Der Bund kann sich nicht zurückhalten.
Schlussfolgerung
Neutralität lässt sich nicht verordnen.
Sie wird in der Bilanz aufgebaut.
Solange mehr als 360 Milliarden Schweizer Vermögenswerte den US-Markt bewässern, bleibt unsere Unabhängigkeit nur teilweise erhalten.
Gold kaufen.
Einen Staatsfonds einrichten.
Die systemische Exposition verringern.
Souveränität beginnt mit der Währungsarchitektur.
Politischer Mut beginnt mit einer einfachen Tat:
die Schweiz von der indirekten Finanzierung ausländischer Konflikte abkoppeln.