Wenn die Schweiz beginnt, diejenigen zu kopieren, die zurückgehen

Die Schweiz ist nie durch Zufall reich geworden. Sie ist es geworden, weil sie ein seltenes Gleichgewicht zwischen Offenheit und Kontrolle, Flexibilität und Sicherheit bewahrt hat. Heute wird unter dem Deckmantel des «Lohnschutzes» genau dieses Fundament geschwächt. Hinter einer technischen Maßnahme zu Entlassungen verbirgt sich eine viel tiefgreifendere Veränderung unseres Modells. Wenn wir nicht klar sehen, was gerade gespielt wird, entdecken wir vielleicht zu spät, dass das, was unsere Stärke ausmachte, langsam verwässert wurde.

 

Der Bundesrat hat soeben eine neue Maßnahme verabschiedet, die im Rahmen des Schweiz-EU-Pakets bestimmte Entlassungen erschwert. Diese Entscheidung, die als «unerlässlich» angepriesen, vom SGB unter Pierre-Yves Maillard begrüsst und vom Schweizerischen Arbeitgeberverband angefochten wird, ist nicht unbedeutend. Sie offenbart eine stille Transformation des helvetischen Modells.

Die Schweiz hat ihren Erfolg nie auf Starrheit aufgebaut. Sie hat ihn auf drei Säulen aufgebaut: Flexibilität des Arbeitsmarktes, Rechtssicherheit und politische Kontrolle der Migrationsströme.

Diese Gleichgewichte sind heute jedoch gefährdet.

1. Masseneinwanderung: Die Variable, die niemand zu benennen wagt

Seit den Abkommen der Bilateralen Abkommen I und der Bilateralen Abkommen II ist die Bevölkerung der Schweiz von etwa 7,2 Millionen (2002) auf heute über 9 Millionen angestiegen. Über 80% des Bevölkerungswachstums sind auf die Zuwanderung zurückzuführen.

Das neue «Rahmenabkommen», das in «Bilaterale III» umbenannt wurde, vertieft die dynamische Integration in das EU-Recht noch weiter. Mit anderen Worten: weniger nationaler Spielraum, um unsere Regeln an unsere Realität anzupassen.

Wenn das Arbeitsangebot strukturell steigt, erhöht sich der Druck auf die Löhne. Anstatt die Ursache - den Verlust der Migrationskontrolle - zu bekämpfen, werden administrative Maßnahmen aufeinander gestapelt.

2. Mindestlohn und Versteifung: Symptom eines Ungleichgewichts

Kündigungen komplizierter zu machen, ist nicht neutral. In Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten (2% der Wirtschaftsstruktur) kann die Strafe bis zu zehn Monatsgehälter betragen.

Diese Art von Regelungen ist typisch für schwindende Wohlfahrtsstaaten wie Frankreich, wo die strukturelle Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten über 7% liegt. Die Schweiz hingegen hielt die Arbeitslosigkeit dank vertraglicher Flexibilität lange Zeit bei rund 2-3%.

Eine Verschärfung des Arbeitsmarktes bedeutet, dass das Risiko auf die Unternehmen verlagert wird. Die KMU sind jedoch das Rückgrat unseres Wohlstands.

3. Die Illusion des “Schutzes”

Die Maßnahme wird als Lohngarantie gegenüber den europäischen Entsendeunternehmen dargestellt. In Wirklichkeit verändert sie das interne Gleichgewicht des Schweizer Rechts.

Marco Taddei (UPS) spricht von einem «bestenfalls bipartiten» Prozess. Die Arbeitgeber sehen darin keine einvernehmliche Lösung, sondern ein politisches Zugeständnis, um ein größeres Paket durchzusetzen.

Wenn der Bund beginnt, korporatistische Logiken zu importieren, entfernt er sich von seiner liberalen DNA.

4. Geldentwertung und Kaufkraft

Der monetäre Kontext kann nicht ignoriert werden. Seit 1971 hat das Ende der Goldbindung des Dollars zu einer beispiellosen globalen Geldmengenausweitung geführt. Die globale Geldmenge ist explodiert; die Schulden ebenfalls.

Auch wenn der Franken stärker als die meisten Währungen bleibt, erodiert seine reale Kaufkraft gegenüber materiellen Vermögenswerten auf lange Sicht.

Wenn die Inflation steigt und das Bevölkerungswachstum sich beschleunigt, nimmt der soziale Druck mechanisch zu. Die Antwort der Wahl: mehr Führung, mehr Standards.

5. Aufschlussreiche politische Symbolik

Dass diese Maßnahme mit der enthusiastischen Zustimmung eines Sozialisten wie Pierre-Yves Maillard abgesegnet wurde, ist emblematisch. Die gleichen politischen Kräfte, die für eine extensive Zuwanderung eintreten, schlagen dann vor, den Arbeitsmarkt zu versteifen, um die Auswirkungen der Zuwanderung abzufedern.

Es ist ein paradoxer Kreis: die Grenzen weit öffnen und dann die Wirtschaft in ein Korsett zwängen, um die entstandenen Spannungen in den Griff zu bekommen.

Das Risiko

Das Schweizer Modell beruht auf :

  • Eine gesteuerte Einwanderung
  • Ein flexibler Arbeitsmarkt
  • Hohe Rechtssicherheit
  • Eine glaubwürdige Währung
  • Eine Budgetverantwortung

Wenn diese Elemente gleichzeitig umkippen, hört die Schweiz auf, ein Einzelfall zu sein, und wird zu einem europäischen Standardland - mit denselben strukturellen Blockaden.

🇨🇭Conclusion

Der Erfolg der Schweiz ist nicht per Dekret garantiert. Er beruht auf einem subtilen Gleichgewicht zwischen Offenheit und Souveränität, Schutz und Freiheit.

Den Arbeitsmarkt zu verschärfen, um einen Verlust der Migrationskontrolle auszugleichen, ist keine Lösung. Es ist ein Eingeständnis.

Die Schweiz ist nie dadurch gediehen, dass sie krisengeschüttelte Modelle kopiert hat. Sie ist gediehen, weil sie es anders gemacht hat.