Gesundheitskosten: Lösungen, die das System fürchtet

Die Gesundheitskosten explodieren, die Prämien erdrosseln die Haushalte und trotzdem dreht sich die öffentliche Debatte im Kreis. Tarife werden angepasst, marginale Einsparungen versprochen, neue «Reformen» angekündigt - ohne jemals den Kern des Problems zu berühren. Es ist weder ein Unfall noch ein demografisches Schicksal: Es ist ein verriegeltes, von mächtigen Interessen eingefangenes System, in dem der Preis das Ergebnis ersetzt hat und die tatsächliche medizinische Wirksamkeit zweitrangig geworden ist. Solange dieses Tabu intakt bleibt, wird keine kosmetische Maßnahme den Amoklauf bremsen.

 

In der Schweiz wird viel über die Gesundheitskosten gestikuliert. Es werden «Maßnahmen» angekündigt, Tarife angepasst und Einsparungen versprochen. Und trotzdem steigen die Prämien Jahr für Jahr weiter an. Warum ist das so? Weil man sich weigert, dem Problem auf den Grund zu gehen.

Der Kern der Fehlfunktion ist nicht das öffentliche Krankenhaus, nicht der Hausarzt und auch nicht der Versicherte. Er liegt in der fortschreitenden Vereinnahmung des Systems durch industrielle und finanzielle Interessen - allen voran die Pharmaindustrie - und in einer Kette von Anreizen, die völlig losgelöst von den tatsächlichen medizinischen Ergebnissen ist.

Der Kern des Problems: Interessenkonflikte und überteuerte Medikamente

Die Validierung von Behandlungen und ihre Erstattung erfolgen heute in einem Umfeld, das mit Interessenkonflikten übersättigt ist. Experten, Kommissionen, klinische Studien, Meinungsführer: Allzu oft kreisen die gleichen Akteure zwischen Forschung, Industrie, Beratung und Regulierung.

Das Ergebnis: Extrem teure Therapien werden zur Rückerstattung gedrängt, obwohl ihr klinischer Nutzen marginal ist. Der Fall ist in der Onkologie bekannt: Behandlungen, die mehrere tausend Franken pro Monat kosten, für einen medianen Überlebensgewinn von nur wenigen Monaten. Ein Forscher eines großen Laboratoriums gab es unumwunden zu: Ein Medikament, das das Leben bei Darmkrebspatienten um 6 bis 12 Monate verlängerte und zu einem hohen Preis verkauft wurde, war ein riesiger kommerzieller Erfolg - unabhängig von seinem Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Allgemeinheit.

Es handelt sich nicht um einen einzelnen Skandal, sondern um ein Geschäftsmodell.

In der Schweiz machen die Medikamente fast ein Viertel der Kosten der Pflichtversicherung aus. Die Preise für patentierte Medikamente sind immer noch systematisch höher als in den Vergleichsländern, und Generika kosten manchmal doppelt so viel. Solange diese Rente durch Regulierung und politischen Druck geschützt ist, werden keine peripheren «Reformen» den Kurs ändern.

Falsche Lösungen: Zentralisierung und Einheitskasse

Angesichts der Kostenexplosion befürworten manche die totale Zentralisierung und die Einheitskasse. Das ist ein gefährlicher Trugschluss.

Das französische Beispiel ist ein Lehrbuchbeispiel: bürokratisches Monopol, explodierende Ausgaben, implizite Rationierung, Verzögerungen, Mangel an Pflegekräften und keine nachhaltige Kostenkontrolle. Die Zentralisierung senkt nicht die Ausgaben; sie unterdrückt Gegenkräfte, erstickt Innovationen und entzieht allen Akteuren die Verantwortung.

Der Wettbewerb zwischen den Versicherern - wenn er real und transparent ist - bleibt ein grundlegender Hebel, um die Kosten zu dämpfen, die Leistungen zu verbessern und neue Modelle auszuprobieren. Die Krankenversicherung in eine monopolistische Verwaltung umzuwandeln, wäre ein großer Rückschritt.

Wie lassen sich die Kosten wirklich senken? Fünf notwendige Brüche

1. Die allopathische Medizin dekartarisieren

Die konventionelle Medizin ist zu einem therapeutischen Oligopol geworden, das von einigen wenigen industriellen Akteuren beherrscht wird. Diese strukturelle Abhängigkeit muss durchbrochen werden, Protokolle müssen auf der Grundlage des tatsächlichen Nutzens und nicht des Lobbyismus neu bewertet werden, und es muss wieder eine ergebnisorientierte, nicht marktgetriebene Medizin eingeführt werden.

2. Öffnung der Erstattung für alle wirksamen Therapien

Entscheidend ist nicht das ideologische Etikett einer Therapie, sondern ihre messbare Wirksamkeit. Traditionelle, komplementäre oder alternative Therapien sollten erstattet werden können, wenn sie klinische Ergebnisse, weniger Rückfälle oder eine dauerhafte Verbesserung der Lebensqualität nachweisen - oft zu weitaus geringeren Kosten.

3. Bewerten Sie die Leistungen von Praktikern öffentlich.

Transparenz ist das große Tabu des Systems. Wir brauchen öffentliche Ergebnisindikatoren: Remissionsraten, Komplikationen, Rückfälle, Patientenzufriedenheit. Nicht um zu sanktionieren, sondern um aufzuklären, zu vergleichen und zu verbessern. Ohne Ergebnismessung gibt es keine Kostendämpfung.

4. Unnötige Finanzintermediäre abschaffen

Das System ist voll von Zwischenhändlern, die Werte abschöpfen, ohne zu heilen: undurchsichtige Strukturen, Plattformen, administrative Konstruktionen. Wir müssen eine direkte Verbindung zwischen Patient und Therapeut fördern, parasitäre Finanzschichten abbauen und diese Ressourcen wieder der tatsächlichen Pflege zukommen lassen.

5. Ermöglichung einer ethisch begründeten Krankenversicherung à la carte

Grundprinzip: Ein Versicherter sollte nicht gezwungen sein, mit seinen Prämien Handlungen zu finanzieren, die seinen ethischen Überzeugungen zuwiderlaufen. Wer bestimmte Praktiken nicht gutheißt, sollte eine Versicherung wählen können, die diese nicht erstattet. Freiheit, Verantwortung und moralische Kohärenz sind auch Hebel zur Kostendämpfung.

Fazit: Erst das System pflegen, dann die Zahlen pflegen

Der Anstieg der Gesundheitskosten ist kein demografisches Schicksal. Er ist das Produkt eines eingefangenen, undurchsichtigen und mit falschen Anreizen versehenen Systems. Solange man im Namen des Fortschritts Renten schützt, Preis und Wert verwechselt und sich weigert, die tatsächlichen Ergebnisse zu messen, wird keine Reform funktionieren.

Die Schweiz braucht nicht noch mehr Bürokratie. Sie braucht politischen Mut, radikale Transparenz und Wahlfreiheit.

Die Kosten zu senken bedeutet nicht, die Pflege zu rationieren.

Es bedeutet, den Patienten - und das Ergebnis - wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

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