Migros will nun Steaks herstellen – und das ohne Kühe. In Kemptthal (ZH) unterstützt die bekannte Genossenschaft ein Projekt zur Herstellung von Fleisch im Labor aus Rinderzellen, und zwar in Zusammenarbeit mit dem israelischen Start-up Aleph Farms und dem Aromenkonzern Givaudan. Als bedeutende Lebensmittel-Innovation vorgestellt, wirft diese Initiative jedoch eine grundlegende Frage auf: Wie konnte eine Genossenschaft, die sich für Qualität und Schweizer Landwirtschaftstradition einsetzen soll, dazu übergehen, in industriellen Tanks hergestellte Nahrungsmittel zu fördern? Hinter dem technologischen Diskurs verbirgt sich vielleicht eine viel tiefgreifendere Transformation unserer Ernährung.
Seit Jahrzehnten präsentierte sich Migros als die grosse Schweizer Volks koperasi. Eine Institution, die für Qualität, Nähe und Lebensmittelsicherheit stehen sollte. Doch heute geht die Marke einen besorgniserregenden neuen Schritt: die Unterstützung der Einführung von Fleisch aus dem Labor In der Schweiz, in Partnerschaft mit der israelischen Firma Aleph Farms und dem Aromengiganten Givaudan.
In Kemptthal (ZH) ist das Ziel klar: künstliche Steaks herstellen aus in Bioreaktoren gezüchtete Rinderzellen. Ein technologisches Versprechen, das als «nachhaltig» und «innovativ» verkauft wird. Aber hinter dem Marketing-Gerede stellt sich eine einfache Frage: Seit wann muss Essen aus einem Labor kommen und nicht mehr vom Feld oder vom Bauernhof?
Migros scheint eine Realität zu vergessen, die den Konsumenten wohlbekannt ist: die Qualität vieler verarbeiteten Produkte der Kette ist bereits stark umstritten. Die massive Verwendung von Zusatzstoffen – diese berüchtigten “Irgendetwas” – ist zu einem industriellen Kennzeichen ultraverarbeiteter Lebensmittel geworden. Verdickungsmittel, Stabilisatoren, Geschmacksverstärker: eine Lebensmittelchemie, die die Verbraucher immer weiter von echten Lebensmitteln entfernt.
Und jetzt wird uns erklärt, dass der nächste Schritt des Fortschritts darin besteht, Fleisch in Tanks züchten.
Wie der amerikanische Essayist Michael Pollan in Erinnerung ruft:
« Iss nichts, was deine Ururgroßmutter nicht als Nahrungsmittel erkannt hätte. »
Angesichts eines Steaks, das in einem Labor aus künstlich vermehrten Zellen hergestellt wurde, stellt sich die Frage.
Diese Entwicklung birgt auch eine bedeutende wirtschaftliche und kulturelle Herausforderung. Die Schweiz verfügt über eine Berglandwirtschaft, Viehzüchter, kulinarische Traditionen und lokale Wirtschaftskreisläufe. Die Einführung von synthetischem Fleisch öffnet die Tür zu eine noch radikalere Industrialisierung der Lebensmittelversorgung, konzentriert sich zwischen wenigen Biotech-Multis und Agrarriesen.
Die französische Philosophin Dominique Bourg fasst dieses Dilemma gut zusammen:
«Eine Gesellschaft, die ihre Ernährung vollständig künstlich herstellt, verliert nach und nach ihre Verbindung zum Leben.»
Migros sollte über diesen Satz nachdenken.
Denn eine Genossenschaft soll die Verbraucher nicht in Futter-Meerschweinchen. Sie sollte für Transparenz, Qualität und lokale Erzeuger eintreten – und nicht zur europäischen Visitenkarte für industrielle Experimente aus Laboren werden.
Schlussfolgerung
Nach den Regalen voller hochverarbeiteter Produkte und Zusatzstoffe scheint Migros nun bereit zu sein, eine neue Grenze zu überschreiten: die Landwirtschaft schrittweise durch Lebensmittelbiotechnologie ersetzen.
Aber eine Frage wird immer offen bleiben:
die Schweiz will wirklich werden Das Testgelände für künstliche Nahrung ?
Denn Innovation ist nicht immer Fortschritt. Manchmal ist es einfach nur Ein weiterer Schritt in Richtung einer wurzellosen, terroirlosen und vertrauenslosen Ernährung.