Das Dollar-Imperium wankt ... und mit ihm die amerikanische Illusion

Während Washington mit der Weltwirtschaft pokert, beginnt der Rest der Welt, sich in die Karten schauen zu lassen. Vom Obersten Gerichtshof für illegal erklärte Zölle, wachsende militärische Spannungen im Nahen Osten, gigantische Schulden, die mit der Notenpresse finanziert werden: Hinter dem Bild der Supermacht zeichnet sich das Bild eines geschwächten Währungsimperiums ab. Für die Schweiz, die Hunderte von Milliarden an auf Dollar lautenden Vermögenswerten hält, ist die Frage nicht mehr theoretisch: Was passiert, wenn die Währung eines Imperiums zu seiner Achillesferse wird?

Jahrzehntelang hat Washington seine internationale Ordnung als auf Regeln basierend dargestellt. Doch wenn diese Regeln unbequem werden, erscheinen sie plötzlich als optional. Die jüngste Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür: Durch 6 Stimmen gegen 3, Die Richter urteilten die Strafzölle, die Donald Trump auf der Grundlage des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) verhängt hat, rechtswidrig sind.

Mit anderen Worten: Die größte Weltmacht hat einen globalen Handelskrieg geführt ... mit rechtlich fragwürdigen Maßnahmen.

Am aufschlussreichsten war die sofortige Reaktion Washingtons. Kaum war die Entscheidung gefallen, kündigte die US-Regierung an neue Zollinstrumente, einschließlich eines Gesamttarifs von 10 % auf der Grundlage von Abschnitt 122 des Trade Act von 1977, sowie die Einleitung von Handelsuntersuchungen gemäß Artikel 301. Die Botschaft ist klar: Wenn sich eine rechtliche Tür schließt, wird sofort eine andere genutzt.

Für Schweizer Unternehmen hat diese Instabilität weitreichende Folgen. Zwar sollen einige Zölle von 15 % bis 10 %, Die Unsicherheit bleibt jedoch bestehen:

können bereits gezahlte Steuern zurückgefordert werden?

Der Oberste Gerichtshof hat sich noch nicht geäußert.

In einem normalen System sollte ein Rechtsstaat für rechtliche Berechenbarkeit sorgen. Doch wenn die größte Weltmacht ihre Handelsregeln nach Maßgabe der politischen Machtverhältnisse ändert, wird die gesamte Weltwirtschaft zum Experimentierfeld.

Diese Unberechenbarkeit ist kein Zufall. Sie ist das Symptom eines Imperiums, das mittlerweile eher durch politische Impulse als durch eine kohärente Strategie funktioniert.

In den letzten hundert Jahren haben die USA die internationale Bühne nach und nach in einen gigantischen geopolitischen Pokertisch verwandelt. Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, Ukraine ... und jetzt die Eskalation im Nahen Osten, in die der Iran verwickelt ist. In dem Maße, wie sich die Spannungen aufbauen, verschlechtert sich auch das internationale Ansehen Washingtons. In den Augen eines großen Teils der Welt, die USA und Israel erscheinen zunehmend als isolierte Mächte, Sie sind in einer Logik der ständigen Konfrontation gefangen.

Hinter dieser Dynamik verbirgt sich ein zentraler Motor : die Fiat-Währung.

Seit dem Ende des Goldstandards im Jahr 1971 verfügen die USA über ein einzigartiges Privileg: Sie können Haushaltsdefizite und geopolitische Interventionen durch die Ausgabe von Schulden in ihrer eigenen Währung finanzieren. Der Wirtschaftswissenschaftler Jacques Rueff hatte es brutal zusammengefasst:

« Der Dollar ist zu einem ungedeckten Scheck geworden, der auf den Rest der Welt ausgestellt wurde.»

Mit dieser Architektur lässt sich fast alles finanzieren - auch der Krieg.

Schon Ludwig von Mises schrieb:

«Die moderne Kriegsführung wäre ohne Geldinflation nicht möglich.»

Diese Tatsache wirft jedoch eine wichtige strategische Frage für die Schweiz auf.

Die Schweizerische Nationalbank hält rund 360 Milliarden US-Dollar Vermögen in US-Wertpapieren. Ein kolossaler Teil des helvetischen Geldvermögens beruht also auf der Stabilität eines Finanzsystems, das von einem Staat dominiert wird, der wirtschaftlich und geopolitisch immer unberechenbarer wird.

In einer Welt, in der die Entdollarisierung voranschreitet, Wirtschaftsblöcke neu zusammengesetzt werden und die finanzielle Glaubwürdigkeit der USA in Frage gestellt wird, stellt diese Ausstellung ein eindeutiges systemisches Risiko.

Die helvetische Vorsicht sollte eine klare Strategie diktieren: diversifizieren und diese Abhängigkeit verringern.

Die Währungsgeschichte ist unerbittlich. Keine der imperialen Währungen hat ihren Status für immer behalten. Der Florentiner Gulden, der Dukat von Venedig, das Pfund Sterling ... alle mussten schließlich ihren Platz räumen.

Der Dollar wird wahrscheinlich keine Ausnahme bilden.

Schlussfolgerung

Imperiale Hybris ist oft der Auftakt zum Niedergang. Wenn wirtschaftliche Macht in rechtliche Instabilität umschlägt, wenn Diplomatie auf ständige Machtverhältnisse reduziert wird und wenn die Währung zum Finanzierungsinstrument für Kriege wird, bekommt das System schließlich Risse.

In diesem historischen Übergang muss die Schweiz Klarheit beweisen.

Denn in einer Welt, in der Imperien mit der Weltwirtschaft pokern, monetäre Vorsicht ist vielleicht die letzte Form der Souveränität.