Schweiz-EU: Das Spiel ist es nicht wert

Seit Monaten wird die Debatte als wirtschaftliche Selbstverständlichkeit dargestellt: Ohne die neuen Abkommen mit der EU würde die Schweiz ein großes Risiko für ihren Wohlstand eingehen. Doch was sagen die Zahlen und unabhängigen Analysen wirklich aus? Wenn zwei führende Schweizer Ökonomen zu gegensätzlichen Schlussfolgerungen kommen, wird eines klar: Die Wahl ist nicht technisch, sie ist institutionell - und ihre Folgen gehen weit über den Handel hinaus.

 

Am 13. Februar 2026 wird die Neue Zürcher Zeitung konfrontierte zwei führende Schweizer Ökonomen mit den Integrationsabkommen, die 2024 mit der EU geschlossen werden: Aymo Brunetti, der die Verträge befürwortet, und Christoph Schaltegger, zurückhaltender.

Der Kontrast ist erhellend. Und verdient es, ernst genommen zu werden.

1. Abkommen, die weit über den Handel hinausgehen

Laut Schaltegger «haben diese neuen Abkommen wenig mit Handel zu tun». Der Kern wäre institutionell: dynamische Übernahme des EU-Rechts, Sanktionsmechanismen, Ausweitung des Anwendungsbereichs.

Die Frage ist also keine tarifliche - sie ist eine verfassungsrechtliche.

Doch selbst auf wirtschaftlichem Gebiet wären die Garantien schwach. Das Beispiel des Forschungsprogramms Horizont Europa spricht für sich: keine dauerhafte Rechtssicherheit, die Möglichkeit des Ausschlusses bleibt ein politischer Hebel. Die jüngsten Erfahrungen haben gezeigt, dass Partizipation zu einem Druckmittel werden kann.

2. Kaum beeinträchtigter Wohlstand... laut offizieller Studie

Zentraler Punkt: Die vom Bundesrat in Auftrag gegebene Studie würde darauf hindeuten, dass die Auswirkungen auf den Wohlstand begrenzt wären.

Wenn der wirtschaftliche Effekt marginal ist, dann ändert sich die Kosten-Nutzen-Bilanz drastisch.

Schaltegger formuliert es klar: «Die Auswirkungen auf unseren Wohlstand wären minimal. Aber die Nachteile wären beträchtlich».»

Welche Nachteile?

- Verpflichtung zur Übernahme von EU-Recht unter Androhung von Sanktionen

- Verringerung des demokratischen Spielraums

- Deutliche Ausweitung in entscheidenden Bereichen wie der Personenfreizügigkeit und der Richtlinie über Bürgerrechte

Mit anderen Worten: eine Übertragung der politischen Autonomie gegen einen ungewissen wirtschaftlichen Gewinn.

3. Die Gefahr einer institutionellen Falle

Die Schweiz gedeiht, weil ihre Institutionen einfach, bürgernah und anpassungsfähig sind.

Ein System, das auf der dynamischen Übernahme von Recht beruht, schafft eine asymmetrische Abhängigkeit: Schweizer Unternehmen würden die Norm nicht mehr direkt beeinflussen, sondern müssten sich an sie halten.

Sicherlich sehen einige große Wirtschaftsverbände darin einen Vorteil: Die Harmonisierung vereinfacht die Strukturen. Aber ist die Verwaltungsvereinfachung für einige große Akteure den Verzicht auf eine nationale Anpassungsfähigkeit wert?

Wie Schaltegger betont, wäre dies ein Wachstumsfaktor ... «wenn die europäischen Regelungen wettbewerbsfähig wären». Das muss allerdings noch bewiesen werden.

4. Die ignorierte Alternative

Es gibt einen anderen Weg: ein modernisiertes Freihandelsabkommen ohne institutionelle Zwangsjacke, vergleichbar mit dem Modell EU-Kanada (CETA).

Warum sollte diese Option als unrealistisch vom Tisch gewischt werden?

Fatalismus ist keine Strategie.

Schlussfolgerung

Wenn die wirtschaftlichen Vorteile gering und die institutionellen Zugeständnisse groß sind, dann wird die Rechnung klar: Das Spiel ist es nicht wert.

Die Frage ist nicht, ob man “für” oder “gegen” Europa ist. Es geht darum, ob die Schweiz ihre Fähigkeit zur Selbstbestimmung gegen ein Stabilitätsversprechen eintauschen soll, das die Texte selbst nicht garantieren.

Der helvetische Wohlstand beruht nicht nur auf dem Marktzugang.

Sie beruht auf stabilen, berechenbaren und demokratisch kontrollierten Institutionen.

Und das ist unbezahlbar.

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