Dient die SNB den Interessen des US-Imperiums?

Souveränität geht nicht immer durch Verträge oder Kapitulation verloren. Manchmal löst sie sich stillschweigend in buchhalterischen Bilanzen auf. Während sich die Schweiz mit Reden über Vorsicht, Stabilität und Neutralität beruhigt, werden anderswo Hunderte von Milliarden Franken eingesetzt - im Dienste eines imperialen Währungssystems, das am Ende seines Weges ist. Die Frage ist nicht mehr theoretisch oder marginal: Schützt die Schweizerische Nationalbank noch die Interessen des Landes ... oder die des amerikanischen Imperiums?

Die Frage ist unbequem. Sie ist jedoch legitim.

Seit Jahrzehnten präsentiert sich die Schweiz als eine Insel der Stabilität, der Vorsicht und der finanziellen Unabhängigkeit. Doch hinter dieser beruhigenden Erzählung gibt es eine Realität, die es verdient, tabulos untersucht zu werden: Die Schweizerische Nationalbank handelt sie noch ausschließlich im Interesse des Landes - oder hat sie sich allmählich den finanziellen Interessen des US-Imperiums angepasst?

Heute ist ein massiver Teil der SNB-Reserven im US-Dollar und in US-Treasuries engagiert. Mit anderen Worten: Die Stärke der Schweizer Bilanz hängt weitgehend vom finanz-, geld- und geopolitischen Kurs Washingtons ab. Diese Abhängigkeit ist nicht neutral. Sie bedeutet, dass die Schweiz indirekt die Schulden eines ultra-defizitären Staates finanziert, der sich auf eine geldpolitische, militärische und strategische Flucht nach vorn eingelassen hat.

Inzwischen verwenden die USA den Dollar als Machtwaffe : extraterritoriale Sanktionen, politischer Druck, Handelsdrohungen, finanzielle Erpressung. Die Botschaft ist klar: Das Dollarsystem ist kein Gemeingut, sondern ein imperiales Instrument. Und dennoch bleibt die Schweiz massiv daran angedockt - nicht aus explizitem Zwang, sondern aus einer bewussten strategischen Entscheidung heraus ... oder aus fehlendem politischen Mut.

Die Frage ist nicht ideologisch. Sie ist souverän.

Kann man noch von finanzieller Neutralität sprechen, wenn die nationalen Ersparnisse in die Schulden der größten Zwangsmacht der Welt investiert werden?

Kann man Unabhängigkeit behaupten, wenn unsere Zentralbank zu einem gefangenen Gläubiger des Imperiums wird, das sie zu ignorieren vorgibt?

Manche berufen sich auf die «Diversifizierung» oder die «Sicherheit» des Dollars. Doch die Währungsgeschichte ist unerbittlich: keine Fiat-Reservewährung die Haushaltsdisziplin und den Machtmissbrauch überlebt hat. Sich an ein Imperium anzulehnen, das sich am Ende seines Zyklus befindet, ist keine Vorsicht - es ist eine asymmetrische Wette gegen die eigenen Interessen.

Eine wirklich souveräne Zentralbank hätte als Priorität die Erhaltung der nationalen Kaufkraft, Es geht nicht um die Optimierung eines Portfolios, das an der Wall Street und dem US-Finanzministerium ausgerichtet ist.

Die Frage ist also nicht provokativ. Sie ist dringend:

Dient die SNB noch der Schweiz - oder ist sie zu einem unauffälligen Rädchen im Getriebe des imperialen Systems der USA geworden?

Die Ablehnung dieser Debatte ist bereits eine Antwort darauf.